- 06.09.10
 
Kardinal Schönborn unterstreicht Bedeutung der anderssprachigen Gemeinden
„Motoren der Integration“ - Erzbischof von Wien diskutierte mit Danielle Spera im „Klub der Frauen“

Wien, 01.07.10 (PEW) Die außerordentliche Bedeutung der anderssprachigen katholischen Gemeinden in Wien unterstrich Kardinal Christoph Schönborn am Mittwochabend bei einer Begegnung mit dem „Klub für Frauen“  in der Wiener RZB am Stadtpark. Im Gespräch mit Danielle Spera bezeichnete der Wiener Erzbischof diese Gemeinden als „Motoren der Integration“; die „Inkulturation“ in Wien und in die österreichische Kultur werde mit der Bewahrung der ursprünglichen Identität verbunden.  Das gelte auch für die Gemeinden orthodoxer Zuwanderer. Kardinal Schönborn erinnerte daran, dass in Wien und Umgebung rund 200.000 serbisch-orthodoxe Christen leben: „Wien ist die viertgrößte serbische Stadt nach Belgrad, Novi Sad und Chicago“.

Der Wiener Erzbischof plädierte auch für die großzügige Gewährung des „humanitären Aufenthalts“ an gut integrierte Flüchtlinge. Er kenne vor allem aus seiner Vorarlberger Jugendheimat Fälle, in denen ganze Dorfgemeinschaften sich tatkräftig dafür einsetzen, dass gut integrierte Flüchtlingsfamilien nicht abgeschoben werden. Er habe persönlich auch immer wieder mit der Innenministerin  gesprochen, um die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Irak, vor allem von Angehörigen der religiösen Minderheiten des Landes, zu erreichen.

Im Hinblick auf die innerkirchliche Diskussion unterstrich Kardinal Schönborn, es sei „naiv“, zu glauben, dass die Priester ohne Zölibatsverpflichtung ein „einfacheres“ Leben hätten. Ganz generell wehre er sich gegen die Meinung, dass Menschen, die nicht in einer sexuellen Partnerschaft leben, „neurotisch“ sein müssten. Das wäre auch ungerechnet gegenüber dem großen Anteil der Bevölkerung, der nicht verheiratet ist. Entschieden wies der Wiener Erzbischof auch die immer wieder geäußerten Vermutungen zurück, viele Priester hätten ohnehin eine Partnerschaft. Wenn er von solchen Fällen erfahre, lade er die betreffenden Priester ein, sich ehrlich zu entscheiden. Wie ein Verheirateter darum kämpfen müsse, seiner Partnerin treu zu bleiben, müsse auch ein Zölibatärer um die Treue zu seinem „bewusst und freiwillig abgelegten Versprechen“ ringen.

Auf die Frage nach der Frauenpriesterweihe erinnerte Kardinal Schönborn daran, dass eine Weihe von Frauen zu Priestern die katholische Kirche spalten würde wie sie  „auch die anglikanische Kirche gespalten hat“. Im übrigen sei darauf zu verweisen, dass etwa in der Erzdiözese Wien zahlreiche Frauen Spitzenpositionen innehaben (von der Chefredakteurin der Katholikenzeitung „Der Sonntag“ bis zur Leiterin der Finanzkammer und Diözesanökonomin).

Im Gespräch mit Danielle Spera ging Kardinal Schönborn auch auf das christlich-jüdische Verhältnis ein. Ihm persönlich sei von frühester Kindheit und Jugend eine große Liebe zum Judentum nahegebracht worden, zugleich habe er aber auch erkennen müssen, dass es in katholischen Kreisen Antisemitismus gab. Der Antijudaismus sei letzten Endes auf die „tragische Trennung zwischen Synagoge und Kirche am Ende des 1. Jahrhunderts“ zurückzuführen.  Viele Christen hätten gemeint, dass die Kirche an die Stelle des Volkes Israel getreten sei. (ende)

(red)



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