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Wien, 01.07.10 (PEW) Die außerordentliche Bedeutung der anderssprachigen
katholischen Gemeinden in Wien unterstrich Kardinal Christoph Schönborn am
Mittwochabend bei einer Begegnung mit dem „Klub für Frauen“ in der
Wiener RZB am Stadtpark. Im Gespräch mit Danielle Spera bezeichnete der
Wiener Erzbischof diese Gemeinden als „Motoren der Integration“; die
„Inkulturation“ in Wien und in die österreichische Kultur werde mit der
Bewahrung der ursprünglichen Identität verbunden. Das gelte auch für
die Gemeinden orthodoxer Zuwanderer. Kardinal Schönborn erinnerte daran,
dass in Wien und Umgebung rund 200.000 serbisch-orthodoxe Christen leben:
„Wien ist die viertgrößte serbische Stadt nach Belgrad, Novi Sad und
Chicago“.
Der Wiener Erzbischof plädierte auch für die großzügige Gewährung des
„humanitären Aufenthalts“ an gut integrierte Flüchtlinge. Er kenne vor allem
aus seiner Vorarlberger Jugendheimat Fälle, in denen ganze
Dorfgemeinschaften sich tatkräftig dafür einsetzen, dass gut integrierte
Flüchtlingsfamilien nicht abgeschoben werden. Er habe persönlich auch immer
wieder mit der Innenministerin gesprochen, um die Aufnahme von
Flüchtlingen aus dem Irak, vor allem von Angehörigen der religiösen
Minderheiten des Landes, zu erreichen.
Im Hinblick auf die innerkirchliche Diskussion unterstrich Kardinal
Schönborn, es sei „naiv“, zu glauben, dass die Priester ohne
Zölibatsverpflichtung ein „einfacheres“ Leben hätten. Ganz generell wehre er
sich gegen die Meinung, dass Menschen, die nicht in einer sexuellen
Partnerschaft leben, „neurotisch“ sein müssten. Das wäre auch ungerechnet
gegenüber dem großen Anteil der Bevölkerung, der nicht verheiratet ist.
Entschieden wies der Wiener Erzbischof auch die immer wieder geäußerten
Vermutungen zurück, viele Priester hätten ohnehin eine Partnerschaft. Wenn
er von solchen Fällen erfahre, lade er die betreffenden Priester ein, sich
ehrlich zu entscheiden. Wie ein Verheirateter darum kämpfen müsse, seiner
Partnerin treu zu bleiben, müsse auch ein Zölibatärer um die Treue zu seinem
„bewusst und freiwillig abgelegten Versprechen“ ringen.
Auf die Frage nach der Frauenpriesterweihe erinnerte Kardinal Schönborn
daran, dass eine Weihe von Frauen zu Priestern die katholische Kirche
spalten würde wie sie „auch die anglikanische Kirche gespalten hat“.
Im übrigen sei darauf zu verweisen, dass etwa in der Erzdiözese Wien
zahlreiche Frauen Spitzenpositionen innehaben (von der Chefredakteurin der
Katholikenzeitung „Der Sonntag“ bis zur Leiterin der Finanzkammer und
Diözesanökonomin).
Im Gespräch mit Danielle Spera ging Kardinal Schönborn auch auf das
christlich-jüdische Verhältnis ein. Ihm persönlich sei von frühester
Kindheit und Jugend eine große Liebe zum Judentum nahegebracht worden,
zugleich habe er aber auch erkennen müssen, dass es in katholischen Kreisen
Antisemitismus gab. Der Antijudaismus sei letzten Endes auf die „tragische
Trennung zwischen Synagoge und Kirche am Ende des 1. Jahrhunderts“
zurückzuführen. Viele Christen hätten gemeint, dass die Kirche an die
Stelle des Volkes Israel getreten sei. (ende)
(red)
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