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Wien, 05.07.10 (PEW) Die Qualitäten der katholischen Priester, von
denen die Mehrheit „authentisch lebt“, und die Notwendigkeit einer Reform,
„die in die Tiefe geht“, betonte der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng
am Sonntagabend in der ORF-Diskussionssendung „Im Zentrum“, die diesmal
unter dem provokanten Titel "Aufstand der Priester – Zählt das Wort
des Papstes noch?" stand. Zugleich warnte der Bischof vor einer „klerikalen
Engführung“; das Zweite Vatikanische Konzil habe ausdrücklich die Berufung
aller getauften und gefirmten Christen betont. Grundlage der Diskussion war
die vom Wiener Theologen em. Prof. Paul Zulehner durchgeführte jüngste
Telefon-Umfrage bei österreichischen Pfarrern. Prof. Zulehner betonte, dass
in der Umfrage keine „Illoyalität gegenüber dem Papst“ zum Ausdruck komme,
vielmehr gehe es darum, eine „Transformationskrise“ zu bewältigen. Im
Mittelpunkt stünden dabei zwei „praktische Fragen“: Keine christliche
Gemeinde darf ohne Vorsteher sein, jede christliche Gemeinde muss
Eucharistie feiern können. Ziel der Umfrage – die jetzt auch in Buchform
vorliegt – sei es, ein „organisiertes Hinhören“ auf die reale Situation zu
ermöglichen.
Auch Bischof Küng hatte eingangs betont, dass in der Umfrage „große Nöte“
zum Ausdruck kommen. Freilich müsse man sich vor Augen halten, dass in der
Kirche Umfragen nicht wie in der Politik funktionieren. An den Aussagen der
Pfarrer sei aber überaus positiv, wie wichtig ihnen die Seelsorge ist und
wie stark sie sich mit ihrem Beruf und ihrer Berufung identifizieren. Die
Diskussion war weithin vom Willen zum Miteinander bestimmt, auch der Pfarrer
von Paudorf, P. Udo Fischer OSB, unterstrich, dass er und seine Kollegen
sich keineswegs als „Aufständische“ verstehen.
Breiten Raum nahm in der Diskussion die Frage des Zölibats ein. Bischof Küng
betonte, dass es heute schwieriger geworden sei, den Zölibat zu leben, das
gelte aber auch für die Ehe. Ohne die Bedeutung der Ehe kleinzureden, sei
der Zölibat ein „eindrucksvolles Zeichen“. Freilich müsse an dieser
Lebensform gearbeitet werden, zum Beispiel gehe es auch um neue Formen
gemeinschaftlichen Lebens mehrerer Priester.
Bischof Küng stellte aber auch klar, dass er den Dingen nachgehe, wenn er
Informationen über das Verhalten von Priestern erhalte, das nicht den
kirchlichen Normen entspricht: „Wir müssen uns um Ehrlichkeit bemühen, ich
halte nichts von einem Doppelleben. Wir brauchen Authentizität“.
Prof. Zulehner unterstrich, dass „keiner der befragten Pfarrer“ die
Sinnhaftigkeit des Zölibats in der katholischen Kirche des lateinischen
Ritus bezweifelt habe. Es gebe aber die Situation der massiven Überforderung
der Pfarrer. Zulehner: „Können wir auf die Eucharistiefeier in vielen
Gemeinden verzichten, um die Ehelosigkeit zu erhalten?“ Ein Drittel der
ständigen Diakone und 50 Prozent der Pastoralassistenten seien bereit, sich
zu Priestern weihen zu lassen, wenn es die Zölibatsverpflichtung nicht gäbe.
P. Udo Fischer erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass der
Priestermangel im nordatlantischen Raum viel weniger dramatisch sei als etwa
in Lateinamerika. Wegen des (dort seit Ende des 19. Jahrhunderts
bestehenden) eklatanten Priestermangels hätten zum Beispiel in Brasilien in
den letzten Jahrzehnten Millionen von Katholiken bei evangelikalen Sekten
angedockt.
Sowohl Bischof Küng als auch Prof. Zulehner betonten ihre Überzeugung, dass
es jenseits aller organisatorischen Fragen um die Gottesfrage geht. Der St.
Pöltner Bischof verwies auf das gewachsene Interesse an „Orten des
Glaubens“, auch an „Orten des Bußsakraments“. Prof. Zulehner stimmte zu:
„Alle wollen Gotteserfahrung“.
Der Wiener Theologe präsentierte aber auch seinen Eindruck, dass die Pfarrer
„des Protestes müde sind“. Viele Pfarrer führten heute selbst Reformen
durch, „wo sie meinen, dass sie es mit dem Evangelium vereinen können“.
(ende)
(red)
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