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Wien, 06.07.10 (PEW) Seine „große Dankbarkeit“ für die
Priester, die seit Jahrzehnten treu ihren Dienst leisten, hat Kardinal
Christoph Schönborn bei einem Festgottesdienst im Wiener Stephansdom betont.
Kardinal Schönborn konzelebrierte bei dem Gottesdienst mit Weihbischof
Stephan Turnovszky (der als Bischofsvikar für die Begleitung der Priester
zuständig ist) und mit insgesamt 17 Priesterjubilaren. Die meisten der
Jubilare sind noch im aktiven pfarrlichen Dienst, wie der Kardinal betonte.
Auch die Pensionisten unter ihnen setzten sich intensiv in der Seelsorge
ein. Unter den 17 Priesterjubilaren waren auch Pfarrer in Ruhe Georg
Thorn, der vor 73 Jahren geweiht wurde, und Prof. Otto Berger –
Religionslehrer, Erwachsenenbildner und Radiomann -, der 1940 die Weihe
empfangen hatte. Die meisten der Jubilare wurden vor 50 Jahren geweiht
– so auch der frühere Bischofsvikar für die Orden, P. Alois Kraxner, und der
Generalvikar für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich,
Alexander Ostheim-Dzerowycz.
Der Wiener Erzbischof berichtete vor den Priesterjubilaren über
ein Erlebnis, das ihn tief beeindruckt hatte: Seine Begegnung mit dem
chinesischen Bekenner-Kardinal Ignatius Kung Pin-mei auf dessen erster Reise
in den Westen. Kardinal Kung (1901-2000) war im kommunistischen China 33
Jahre inhaftiert. Der Apostolische Nuntius Antonio Riberi hatte den aus
Putong stammenden Kung 1949 zum Bischof für Shanghai geweiht, aber schon
sechs Jahre später wurde der Bischof von den kommunistischen
Sicherheitsbehörden verhaftet. Erst 1988 durfte er in die USA ausreisen.
1979 ernannte Johannes Paul II. den Bekenner-Bischof geheim („in pectore“)
zum Kardinal.
Schönborn – damals noch nicht Bischof – traf mit Kardinal Kung
zusammen, als der exilierte chinesische Bischof auf dem Weg von Rom nach
Lourdes in Südfrankreich Station machte. Dort weihte Kung in einer
Ordensgemeinschaft – zum ersten Mal in seinen 33 Bischofsjahren – einen
Neupriester. Der greise chinesische Kardinal habe damals von seiner
Gefängniszeit gesagt, dass er keinen Tag bereue – und das, obwohl er sofort
ein freier Mann gewesen wäre, wenn er sich von Rom losgesagt und der PACC
(Patriotische Vereinigung chinesischer Katholiken) angeschlossen hätte. Kung
habe damals in berührender Weise erzählt, wieviel Gutes er im Gefängnis tun,
wieviele Menschen er im Glauben stärken oder überhaupt zum Glauben hinführen
konnte. Beim Abschied habe der damals 87-jährige einen unvergesslichen Satz
gesagt: „Beten Sie für mich, dass ich bis zum Schluss treu
bleibe“.
In diesem Zusammenhang erinnerte Kardinal Schönborn an das
„starke, tröstende und mahnende“ Wort Jesu, dass gerettet werde, wer „bis
zum Ende standhaft bleibt“. Gerade heute sei es naheliegend, an das vom
Zweiten Vatikanischen Konzil zitierte Wort des nordafrikanischen
Kirchenvaters Augustinus zu denken: „Die Kirche geht ihren Weg zwischen den
Bedrängnissen der Welt und den Tröstungen Gottes“. Es gebe aber auch
die Worte aus dem Römerbrief: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?“
Vielen Priestern, die seit Jahrzehnten im Dienst sind, sei dieses Wort
angesichts der Schwierigkeiten des Alltags und einer kirchlichen Situation,
die oft „kalter Gegenwind“ ist, ein Trost gewesen. (ende)
(red)
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