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Wien, 06.07.10 (PEW) Den Einsatz für das friedliche Zusammenleben von
Menschen unterschiedlicher Religion bezeichnete Kultusministerin Claudia
Schmied bei der Überreichung des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die
Republik Österreich an Paul Schulmeister als „ständige Aufgabe“. Claudia
Schmied würdigte das Engagement des Publizisten – und früheren Präsidenten
der Katholischen Aktion Österreichs (KAÖ) wie des Katholischen
Akademikerverbands Österreichs – für diese Aufgabe. Schulmeister
betonte in seinen Dankesworten, dass es im Dialog der Religionen um mehr
gehe als um „sozialpolitische Fragen“. In Österreich gebe es an sich ein
gutes Gesprächsklima zwischen den Religionen, aber auch hier sei dieses
Klima „Belastungen ausgesetzt“. Diese Belastungen seien letztlich auf den
Nahostkonflikt zurückzuführen. In diesem Zusammenhang appellierte
Schulmeister, „keine unkontrollierbaren Emotionen freizusetzen“, im Schatten
von Manifestationen gegen die Politik der israelischen Regierung dürfe sich
kein Antisemitismus entwickeln.
Österreich soll sich nicht „abkapseln“, sondern für Offenheit optieren,
unterstrich der Publizist und frühere KAÖ-Präsident. Das sei für die
„humanitas austriaca“ kennzeichnend. Schulmeister nannte drei Autoren, die
für die Analyse der Gegenwart wichtig sind: Wystan Hugh Auden, der in seinem
am Ende des Zweiten Weltkriegs entstandenen Poem „The Age of Anxiety“ (Das
Zeitalter der Angst) die vielfachen Versuchungen des „Kriegs, der wir sind“
nachzeichnete; der deutsche Verfassungsjurist Ernst Wolfgang Böckenförde
(„der freiheitliche Staat lebt von Voraussetzungen, die er sich nicht selbst
geben kann“) und Gilbert K. Chesterton, der mit seiner Definition der
Tradition als „Demokratie für die Toten“ einen Hinweis darauf gab, dass
Europa ohne Einsicht in sein Erbe nicht zukunftsfähig ist.
In seiner Laudatio hatte der Grazer Bischofsvikar Heinrich Schnuderl –
früher geistlicher Assistent der Katholischen Aktion – die Verdienste Paul
Schulmeisters für den christlich-jüdischen Dialog und die
christlich-islamische Begegnung betont. Schnuderl erinnerte daran, dass
Schulmeister am 12. Oktober 1986 bei der ersten christlich-jüdischen „Stunde
der Begegnung“ in der Nationalbibliothek das Wort des polnischen Historikers
und späteren Außenministers Wladyslaw Bartoszewski von der „Gefahr der
Gleichgültigkeit und des Opportunismus“ in den Mittelpunkt gestellt
hatte. Mit den Veranstaltungen „Shalom für Österreich“ habe
Schulmeister nicht nur mitgeholfen, das Schweigen zwischen nichtjüdischen
Österreichern und den jüdischen Mitbürgern aufzubrechen, sondern vielen auch
einen Erstzugang zur bahnbrechenden Erklärung des Zweiten Vatikanischen
Konzils über das christlich-jüdische Verhältnis „Nostra Aetate“ erschlossen.
Angesichts der antisemitischen Untertöne im Zusammenhang des
Präsidentschaftswahlkampfs 1986 seien diese Initiativen besonders bedeutsam
gewesen.
Auch die Initiativen Schulmeisters für die christlich-islamische Begegnung –
etwa im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Plattform „Christen und Muslime“
– seien ein bewusster Gegenakzent angesichts der weltweiten
Auseinandersetzung über die dänischen Mohammed-Karikaturen gewesen, betonte
Schnuderl. Die Initiativen Schulmeisters seien von der Überzeugung getragen,
dass das „verletzende Wort“ eine „Vorform physischer Gewalt“ sein kann.
Zugleich sehe er im Auftrag zur Begegnung jenes „Lebensprinzip“ Österreichs,
das der große Schriftsteller Reinhold Schneider in seinem Werk „Winter in
Wien“ eindrucksvoll beschrieben habe.
Das Amt des Präsidenten der Katholischen Aktion Österreichs habe
Schulmeister 1986 in einer für die katholische Kirche schwierigen Zeit
übernommen, unterstrich Schnuderl. Damals sei es um das „Erbe von Kardinal
König“ gegangen, aber auch darum, die Markierungen des „Mariazeller
Manifests“ von 1952 weiterzuschreiben und die Impulse des Zweiten
Vatikanischen Konzils fruchtbar zu machen. Schulmeister habe 1988 ganz
bewusst das Gespräch mit Rom gesucht und sei mit einer Delegation des
Präsidiums der Katholischen Aktion in den Vatikan gefahren. Damals
habe es Gespräche mit führenden Kardinälen mit Joseph Ratzinger an der
Spitze gegeben.
An der Überreichungszeremonie im Unterrichtsministerium nahmen u.a. auch der
Wiener Weihbischof Helmut Krätzl und der Präsident der Islamischen
Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, teil. (ende)
(red)
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